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Kleintierpraxis Dr. vet. med. Jonas Steinel

Ein Zeckenbock stellt sich vor – Teil 1

Tach auch,

ich bin de Zecke. Ich bin von der Gattung der Schildzecken und man nennt mich auch Ixodes ricinus. Der Name ist mir aber viel zu lang und umständlich, deswegen nennen mich meine Kumpels einfach Zecke. Ich bin ungefähr 2,5-4,5mm groß und im Gegensatz zu den Frauen, die nur ein Teil des Rückens mit einem Schild bedeckt haben, geht mein Schild bis über meinen Körper hinaus. Das heißt, so lange ich nüchtern bin und sich in meinem Bauch noch kein rotes Gebräu befindet..

Mein Lieblingsplatz ist der Park. Da sind Wiesen und ein paar Bäume die Schatten spenden. Andere haben lieber Gärten, wilde Wiesen oder Büsche. Da flezen wir uns in die Gräser und warten einfach bis jemand vorbeikommt. Wenn dann jemand in der Nähe ist, merk ich des, weil ich en feines Näschen für CO2 hab. Dafür hab ich an den Vorderbeinen das sogenannte Haller Organ. So „riech“ ich sozusagen mit den Beinen alles in der Nähe was atmet. Klingt lustisch, isses auch. Wenn’s nah genug ist, lass ich meinen Grashalm los und such mir ein ruhiges, schattiges Plätzchen auf dem Körper von egal was: Zweibeiner, Vierbeiner, groß, klein, laut, leise. Des is mir alles wurscht.

Am gemütlichsten ist es bei Zweibeinern unter den Achseln, in den Kniekehlen oder am Rücken. Bei Vierbeinern flack ich mich einfach irgendwo hin. Dann wird ca. 4 Tage lang durchgesoffen.

Hab` gehört, dass wir beim Trinken auch Krankheiten übertragen können. Beim Zweibeiner sind das vor allem die Borreliose und die FSME (Frühsommermeningoencephalitis). Die Borreliose erkennt man wohl an dem weißen Hof um den Biss und dann einen roten Kreis drum herum. Die FSME ist sehr gefährlich, wurde mir berichtet. Da sterben diese Zweibeiner sogar manchmal dran. Andere Zecken, Dermacentor reticulatus zum Beispiel, sollen auch die Babesiose übertragen. Diese Erkrankung kommt bei Vierbeinern vor und die Babesien leben in den roten Blutkörperchen. Durch deren Zerstörung kommt es dann zu Blutarmut und die Tiere werden schwach, haben blasse Schleimhäute und schnaufen schwer.

Neulich hab ich bei einem Zweibeiner gehört, dass die Borreliose beim Hund wohl keine große Rolle spielt. Ca. 30% aller Hunde haben sich schon mal mit der Borreliose auseinandergesetzt und sind deswegen trotzdem nicht krank. Meistens steckt eine andere Erkrankung dahinter, aber man sollte sie trotzdem im Hinterkopf behalten. Ob das stimmt, weiß ich aber nicht…

Nun aber zurück zu mir:

Mit tiiiiierischem Koppweh und nem dicken Bauch flack ich mich dann irgendwo in ein schattich Plätzche und penn erst mal ne Runde, während ich mir denk: Ich trink nie wieder!!! In der Zeit häute ich mich dann auch von der Larve zur Nymphe. Als Nymphe hab ich dann sogar 8 Beine statt wie bisher 6.

Nach dieser Tortur wird’s dann Winter und ich leg mich ab zum Pennen. Irgendwo, wo der Frost mich net erwischt. Und im nächsten Frühling sind mal wieder alle guten Vorsätze dahin…

Weil man ja nix draus lernt und von der Sucht gepackt, fang ich das Spielchen dann wieder von vorne an, und mit noch mehr Kopfweh (man wird halt nicht jünger…) und nem dicken Bauch, wart ich dann einfach ganz easy ab, bis ich erwachsen bin. Von der Geburt an bis zum Erwachsenwerden dauert das so in etwa 2-3 Jahre. Meistens ist ja nach jedem Saufgelage erst mal wieder Winter, bevor im Frühling oder Sommer endlich wieder jemand vorbeikommt, von dem man Trinken kann.

Ich such mir also ein Viech, das vorbeikommt und hoffe, dass da auch ein Schneckchen drauf sitzt was mir gefällt. Dann sende ich Pheromone aus. Das ist so was wie ein ordentlicher Furz, der für die Angebetete gut genug riecht, dass sie mich kennenlernen will. Gesucht und gefunden heben wir einen zusammen. Jetzt bin ich fertig und sie trinkt noch leer.

Dann geht’s endlich los!!! Ich bin mal gespannt, weil mir noch keiner erzählen konnte, wie das denn so ist. Bin wohl der Erste… Oh es klopft…bis denne in alter Frische Leutz!